Auf dem Weg Richtung Norden legten wir in Cuglieri einen kleinen, aber lohnenden Zwischenstopp ein. Unser Reiseführer hatte uns versprochen, dass es dort besonders gutes Olivenöl geben würde – und das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Bei der Olearia Peddio probierten wir uns durch die verschiedenen Öle, verliebten uns in eins (oder zwei… 🤭) und schlugen zu. Anschließend spazierten wir durch das verschlafene Dorf, mit seinen engen Gassen und kleinen Steinhäusern, und genossen oben bei der Basilica einen traumhaften Blick über die Hügel bis zum Meer. Essen wäre schön gewesen, aber typisch Sardinien – alles geschlossen. Also weiter nach Bosa.
Dort hatten wir sofort Glück und ergatterten einen Stellplatz direkt am Hafen. Ab September sogar kostenlos, was will man mehr? Der Kaffee an der Strandbar fiel wegen der italienischen Regel „Kein Cappuccino nach 11 Uhr“ aus, also gab’s eben einen Spritz – wir passten uns an und konnten darüber nur lachen. Der Strand war herrlich, und später erkundeten wir die Stadt. Bosa hat uns wirklich begeistert: bunt, charmant, jede Ecke liebevoll dekoriert. Wir liefen manche Gassen zweimal ab, weil man immer wieder Neues entdeckte. Ein Besuch in einer Weinbar musste natürlich sein – leckerer Malvasia, super Beratung, ein Schnaps aufs Haus und später Pizza, bevor wir nachts entlang des beleuchteten Flusses zurückliefen. Bosa hat uns richtig verzaubert.
Die Küstenstraße SP105 zwischen Bosa und Alghero war schon wieder ein komplett anderes Sardinien: Felsen, Kurven und ein Meer, das wie gemalt wirkte. Ein kurzer Stopp in Villanova Monteleone, wo man locker hätte bleiben können, aber wir hatten noch ein Ziel vor Augen.
Am Spiaggia Pazzona bei Stintino erwartete uns ein ruhiger, fast schon stiller Ort. Schilder wie „Camping verboten“ interpretieren wir ja inzwischen mit etwas humorvollem Pragmatismus – campen tun wir ja nicht 😉. Und wie gedacht: es standen bereits Camper dort, weit genug von der Hauptsaison entfernt. Der Strand war wunderschön, türkisblau und weit, mit etwas Seegras, aber unglaublich entspannt. Kaum Menschen, keine Hektik, nur hin und wieder ein Umweltfahrzeug. Ein Platz, an dem man einfach abschaltet.
Weiter ging es nach Castelsardo, das auf den ersten Blick wie ein Postkartenmotiv wirkte – diese farbigen Häuser, die Burg, der Felsvorsprung über dem Meer. Der Weg hoch war anstrengend, aber der Blick lohnte sich. Doch je weiter wir hochkamen, desto stärker spürte man den Touri-Druck. Körbe, die angeblich handgeflochten sind, aber irgendwie nicht wirklich vor unseren Augen entstehen wollten. Wenig Lächeln, viel Geschäft. Trotzdem gab es Lichtblicke: der Turm der Kathedrale, mit Glockenspiel und hübschem Dach, hat uns richtig gefallen, und die Seada war köstlich. Ein Ort, schön anzusehen, aber man spürt, dass die Geduld gegenüber Touristen etwas aufgebraucht ist.
Der Elefantenfelsen war dann wieder ein lockerer Abstecher. Nett, überraschend groß, mit kleinen prähistorischen Grabkammern im Inneren. Kein Mega-Highlight, aber diese Dinge gehören einfach dazu. Zum Glück waren wir früh da, bevor die Busse anrollten.
Unser nächster Stellplatz bei Cala Ostina war ein echter Glücksgriff. Erst dachten wir, die Plätze wären schon belegt, aber dann entdeckten wir unten einen großen Parkplatz mit Meerblick. Anfangs standen wir nur zu zweit, bis sich der Platz füllte. Die Deutschen wie immer ordentlich in einer Reihe, damit jeder den Blick genießen kann – und die Italiener wie immer ganz entspannt mitten davor, inklusive dem Aufbau einer halben Muckibude. Wir mussten lachen und hatten beste Unterhaltung. Der Sonnenuntergang war großartig, die Spazierwege schön, nur der schmale Pfad am Ende eher etwas für Leute mit „mehr Mut als wir“.
Capo Testa stellte dann wieder klar, warum der Norden so beliebt ist. Das Schild, dass Wohnmobile erst ab 30. September durchfahren dürfen, haben wir wohl „übersehen“… es war der 29.9., also Augen zu und durch. Wir bekamen einen Parkplatz und tauchten ein in diese Granitwelt, die aussieht, als wäre man auf einem anderen Planeten. Riesige Felsformen, glatt, rund, durchlöchert, wild modelliert – einfach beeindruckend. Und die Aussicht nach Korsika, das zum Greifen nah schien. Früh dort zu sein war perfekt, später wurde es voll und die Selfiesticks wuchsen aus dem Boden.
In Palau parkten wir direkt am Hafen, um Tickets für die Maddalena-Bootstour zu kaufen. Kleine Boote waren alle ausgebucht, also blieb uns die große 80-Mann-Variante. Voll touristisch, keine Frage, aber deutlich günstiger und dieselbe Route. Palau selbst ist ein netter Ort zum Herumschlendern, und das rosa Café mit dem „Rosa Cappuccino“ hat uns besonders überrascht – alles dort war so liebevoll gemacht und die Caletti einfach himmlisch.
Die Bootstour war dann einer der schönsten Tage der ganzen Reise. Das Team super herzlich, viel erzählt, viel gelacht, und das Wasser – wirklich ein Traum in allen Blautönen. Santa Maria war unser erster Halt, naturbelassen, glasklar, ein Badeparadies. Danach die Cala Corsara auf Spargi, traumhaft schön, und der Rosa Strand von Budelli, den man nur aus der Ferne sehen darf, aber trotzdem besonders wirkt. La Maddalena Stadt war nett, aber kein Muss. Viel spannender war die Rückfahrt, mit tief stehender Sonne, Musik an Deck und diesem goldenen Licht über dem Meer.
Kurz vor Ende der Reise wartete dann noch eine kleine Odyssee: entsorgen. Der Campingplatz in Palau wollte 20 €, der nächste war geschlossen, der übernächste schließlich 30 €. Zwei Mal fahren, zahlen, lachen – so ist es eben manchmal. Danach ging’s zurück nach Cala Banana, wo wir die Reise begonnen hatten. Dort trafen wir endlich Taddi und Mike, mit denen wir schon die ganze Reise über Kontakt hatten, und am letzten Abend noch ein Paar aus Livorno wieder. Aus einem kleinen „Magst ein Bier?“ wurde ein wunderschöner Abend mit Gitarre am Strand und Sonnenuntergang. Genau diese Begegnungen machen das Reisen aus.
Schließlich hieß es Ciao Sardinien. Anfangs waren wir uns unsicher: wunderschön, aber Camper nicht immer willkommen. Der Süden war stressig, die Straßen voll, die Stimmung angespannt. Doch im Westen und Norden entspannte sich alles und wir konnten die Insel so richtig genießen. Jetzt wissen wir: Sardinien ist traumhaft, aber kein Freisteh-Paradies. Mit Respekt, Diskretion und ohne Campingverhalten funktioniert es – und dann erlebt man Orte, die man nie vergisst.